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Mein Mann und ich machten einen 3 Wöchigen Roadtrip. Von Las Vegas aus den Highway No.1 an der Westküste der USA entlang bis nach Vancouver. Jeder Tag ohne ein genaues Ziel. Wir ließen uns einfach treiben und blieben dort wo es uns gefiel. Zum Glück, denn sonst hätten wir vermutlich nicht den Weg nach Placerville gefunden.

Ursprünglich wollten wir mehrere Tage in San Francisco verweilen, doch nach drei Tagen hatten wir schon gar keine Lust mehr auf Großstadt. Wir wollten einfach irgendwohin, wo es nicht so trubelig ist, ja wenn nicht sogar schon etwas einsam. Wir wollten wieder auf die Straße und Natur um uns herum haben. Wie immer hatte ich den Lonely Planet Reiseführer dabei. Ich blätterte vor mich hin und fand einen Ort namens Placerville.

Placerville – Eine Goldgräberstadt

141 km entfernt von San Francisco fuhren wir vorbei an der Skyline von Sacramento und ließen jegliches Großstadtfeeling hinter uns. Aufgrund des Verkehrs waren wir etwa 2 Std. unterwegs. Es hatte sich gelohnt. Als wir endlich unser Ziel in der Innenstadt erreichten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Häuser aus dem 19. Jahrhundert reihen sich hier aneinander. Man bekommt sofort ein Gefühl dafür, wie es hier damals zu Zeiten des Goldrausches gewesen sein muss.

Der Name des Ortes Placerville hat den Ursprung vom englischen Wort placer für Lagerstätte. Insbesondere wurde hier Gold gelagert. Im Januar 1848 begann der Kalifornische Goldrausch, nachdem James W. Marshall die ersten Goldstücke beim Bau einer Sägemühle am American River, nahe bei der heutigen kalifornischen Hauptstadt Sacramento fand. Placerville wurde schnell zum Knotenpunkt für Goldgeschäfte.

In späterer Zeit bekam Placerville den Spitzname Hangtown. Dieser stammt von den vielen Hinrichtungen in den unruhigen Hochzeiten des Goldrausches.

Das Hotel

Wir parkten und liefen die Hauptstrasse entlang, auf der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht. Uns viel direkt das *Historic Cary House Hotel ins Auge. Es wurde im Jahr 1857 erbaut. Hier soll neben vielen anderen Berühmtheiten auch schon Buffalo Bill genächtigt haben. Einfach alles hier ist alt und hat einen Charme, indem man zurück in die Vergangenheit reist. Großartig. Das Hotel hat einfach Charakter. Wir waren sehr glücklich hier ein Zimmer bekommen zu haben mit direktem Blick auf den berühmten Hang Man Tree. Den Legenden nach soll es hier in einigen Zimmern spuken. Wir hatten eine ruhige Nacht und können dies nicht bestätigen. Vielleicht lag es aber auch an dem Schnaps, den wir tranken, bevor wir zu Bett gingen.

Mehr Hotels in Placerville findet ihr* hier.

Dem Goldrausch auf der Spur

Nach dem Einchecken machten wir uns auf den 2 km langen Weg zur Gold Bug Mine and Park. Wir drehten eine Runde durch Hatties Goldrausch Museum und deckten uns im Souvenirladen mit allem was wir für die Goldsuche brauchten, ein. Der Eintritt zum Museum ist übrigens kostenlos. Im Park kann man übrigens auch eine alte Mine besichtigen. Uns zog es an den Fluss. Im Souvenirladen war zu unserem Glück gerade eine Goldwaschlehrerin anwesend. Ja hier gibt es so etwas tatsächlich. Sie suchte uns das Equipment zusammen und gab uns eine kostenlose Einführung wie wir richtig Gold waschen. Ihre Tipps, wo wir uns am besten am Fluss aufhalten sollten, erwiesen sich später als hervorragend.

Am Fluss

Es war Anfang September. Die Sonne schien herrlich und es wurde richtig heiß. Wir suchten uns eine geeignete Stelle am Fluss. Schuhe aus, rein ins Wasser und los. Erde für Erde schüppten wir in unsere Pfannen und wuschen als gebe es kein Morgen mehr. Der erste Fund ließ nicht lange auf sich warten. Kleinste Goldpartikel funkelten mit der Sonne um die Wette. Die Partikel wurden aufgesogen und in ein kleines Röhrchen mit Wasser gegeben. Schüttelte man dieses Röhrchen wirbelten die kleinen Goldkörnchen wie in einer Schneekugel auf und ab. Man sah das Funkeln in unseren Augen. Das war das letzte Mal, dass mein Mann und ich miteinander gesprochen hatten. Wir waren im Goldrausch. Mit jeder Schüppe voll Erde stieg die Hoffnung auf ein paar weitere kleine Goldpartikel und diese waren wirklich winzig wie Staubkörner, was aber total egal war. Gold war Gold und wer weiß ob wir nicht noch ein Nugget finden würden. Die nächsten sechs Stunden sprachen wir kein Wort miteinander. Jeder war auf seine Weise im Bann des Goldes gefangen. Erst als die Abenddämmerung langsam einsetzte rissen wir uns schweren Herzens von unserer Goldsuche los, ohne Nugget aber jeder mit einem kleinen Röhrchen mit winzigen Goldpartikeln in der Tasche und einem leichten Sonnenbrand im Nacken. Mittlerweile schmerzten auch Rücken und Knie vom Beugen und Hocken. Es war wirklich an der Zeit aufzubrechen.

Zurück in der Historischen Altstadt

Nachdem wir uns im Hotel frisch gemacht hatten liefen wir die historische Altstadt entlang und saugten nochmals alle Eindrücke auf, die wir schon bei unserer Anreise verspürten. Zu entdecken gibt es hier kleine Antiquitätenläden mit vielen tollen Sachen aus vergangenen Zeiten zu einem viel günstigeren Preis als in Deutschland. Als Erinnerung nahm ich nicht nur meine Dose mit kleinen Goldpartikeln, sondern auch einen alten Parfümflacon, mit. Dieser kostete mich gerade mal 3$.

Auf der Mainstreet gibt es viele gute Restaurants. Wir kehrten im Brick’s ein, welches uns vom Hotel empfohlen wurde. Nach dem Essen schlossen wir den gelungenen Tag mit einem Glas lokalem Tequila ab und kehrten zurück in unser Hotel. Wir vielen sichtlich erschöpft ins Bett und träumten die Nacht weiter vom Goldrausch und dem verborgenen Gold im Fluss.