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Khayelitsha ist eines der größten Townships Südafrikas rund 30 km von Kapstadt entfernt. Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich diese Tour machen soll. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden Ob man überhaupt eine Townshiptour machen sollte oder nicht kannst du in diesem Artikel lesen. 

Ich habe einiges gesehen und erlebt auf meiner Tour. Das möchte ich dir nicht vorenthalten. Meine Kamera habe ich aus Respekt im Rucksack gelassen und lediglich ein paar Fotos mit meinem Handy gemacht. Auch Menschen wirst du aus Respekt, auf diesen Fotos nicht finden. 

Anbieter für die Townshiptour

Es gibt viele Anbieter, die damit werben dem Township durch die Touren gutes zurück zu geben. Hier ist es oft mehr Schein als Sein. 

Auf Empfehlung haben wir uns für eine Tour bei Juma Art Tours entschieden.

Denn wer kann einem das Township besser zeigen, als jemand der dort herkommt? Zu viert, plus unserem Guide stiefelten wir los. Es begann eine spannende fast 3 stündige Tour durch ein ganz anderes Südafrika. Gekostet hat die Tour umgerechnet ca. 25 € pro Person.

Die Tour

Wir wurden abgeholt und herzlich von unserem Guide Shaun empfangen. Die Fahrt dauerte ca. 30 Minuten. Unterwegs hat man uns schon viel erzählt, auch über die tolle StreetArt im Viertel Woodstock in Kapstadt.

Von Weitem konnte man die Wellblechhütten sehen. Das war also Khayelitsha. Ich hatte gemischte Gefühle, sogar etwas Angst was mich erwarten würde. Man hört ja doch allerhand schreckliche Geschichten über Gewalt und hungernde Kinder. 

Siki’s Koffee Kafe

Unser erster Halt führte uns zu Siki’s Koffee Kafe. Wir hielten inmitten einer Wohnsiedlung. Ich drehte mich um 360 Grad, doch ein Cafe, konnte ich nicht sehen. Waren wir hier richtig? 

Ein quietschendes Geräusch schreckte uns auf. Ein Garagentor ging auf und ich traute meinen Augen kaum. Da erschien Siki’s Koffee Kafe wie aus dem Nichts. Wow, was für eine coole Location. Siki ist ein echt toller netter Mann. Er erzählte uns, wie er sein Business aufgebaut hat und zeigte uns viele Bilder, von den coolsten Partys, die dort bisher schon gefeiert wurden. 

Mein Tipp: Unbedingt den Kaffee probieren, der ist nämlich super. Wem es schmeckt, kann ganze Bohnen sogar mit nach Hause nehmen und einen stylischen Jutebeutel noch dazu.

Zu Fuß ins Township

Von Siki’s Koffe kafe liefen wir zu Fuß mitten rein ins Township. Vorbei an einer Kirche und einem Krankenhaus bogen wir um die Ecke und betraten einen großen Platz. Bunt bemalte Seecontainer zierten den Platz.

Auf dem Hauptplatz herrschte ein buntes Treiben. War ich hier gerade wirklich in einem Township? Laute Reggae Beats schallten aus einigen Container und Ladies bekamen von Männern die Haare geflochten. Für einen Moment kam ich mir vor, als wäre ich in Jamaikas Straßen unterwegs.

Bitte adoptiere mein Kind

Ich spürte die Blicke und fühlte mich echt schlecht, weil ich weiß bin. Ich kam mir vor, wie ein seltenes Tier im Zoo, dabei dachte ich doch vorher, dass sich die Menschen im Township so fühlen mussten, wenn wir hier durchlaufen. Mag sein, aber wir waren hier in einer eigenen Stadt unterwegs. 

Unsere Tour führte uns eine Brücke hinauf zum Bahnhof. Ich bekam Gänsehaut, als ein Mann mich bat, sein Kind zu adoptieren, damit es eine gute Schulbildung bekommt. Ich entschuldigte mich höflich und versuchte den Erklärungen unseres Guides zu folgen.

Wir überquerten den Bahnhof auf die andere Seite. Mir fiel auf, dass hier dann doch recht viel Müll rumlag. Generell empfand ich das Township aber echt sauber. Ich denke es ist wie in jeder Stadt, es gibt solche und solche Stadtteile.

Spinat King

Der nächste Stop unserer Tour war am Spinat King. Hier wurde aus ganz wenig Geld ein echt bewundernswertes Geschäft eröffnet. Leckeres Brot trifft auf Spinat. Obwohl gerade geschlossen wurde, durften wir noch das leckere Spinatbrot probieren. Es war so lecker, dass wir uns direkt eins für die nächsten Tage mitnahmen.

Mittlerweile ist der Spinat King so erfolgreich, dass es eine Filiale in den Niederlanden in Amsterdam gibt.

Street Art zum Staunen

Generell ist das ganze Township bunt und farbenfroh. So viele tolle Kunstwerke zieren die Wellblechhütten, Mauern und Containern. Ich bin heute noch total davon beeindruckt, was für talentierte Menschen dort wohnen.

Wir bogen auf einen kleinen Hinterhof zwischen den Wellblechhütten ein. Einer dieser tollen talentierten Künstler empfing uns herzlich und zeigte uns seine Werke und wie er lebt. Das sind Einblicke, die du nicht jeden Tag bekommst. uma Art Tours kauft regelmäßig Kunstwerke von Künstlern aus dem Township, um diese zu unterstützen. Für diese Zwecke spendeten wir noch einen kleinen Beitrag.

Traditionelle Heiler

Traditionelle Heiler sind weit verbreitet und spielen doch eine wichtige Rolle bei den Bewohnern. Was für uns Hokus Pokus ist, ist dort ein Glaube, den man nicht belächeln sollte. Es gehört dazu und ist Teil dieser Kultur und Lebensweise.

Wir liefen zurück über den Bahnhof und blieben an dem Stand eines traditionellen Heilers stehen, der dort verschiedenste Kräuter und andere Pflanzen anbot. Den heiler sahen wir auch ungewollt in Aktion, als plötzlich ein junger Mann kam. Er nahm seine Armbinde ab und das Blut lief den Arm herunter. 

Unser Guide entschied weiter zu gehen. Ich war sehr dankbar dafür, denn ich kann so schlecht Blut sehen. Auf unserem weiteren Weg sahen wir immer wieder Container von traditionellen Heilern und Plakate, auf denen allerlei Angeboten wurde.

Für uns westliche, ist das wirklich schwer zu verstehen, dass Menschen an so etwas glauben. Uns kam ein traditioneller Heiler in Ausbildung entgegen. Um seinen Kopf, Hals und Arme hingen Bänder mit Knochen behangen, sein Blick völlig apathisch, als wäre er in einer anderen Welt.

Am Ende der Tour standen wir auf einer Brücke und ließen noch einmal unseren Blick über das Township streifen. Uns war allen klar, dass uns diese Tour noch die nächste Zeit sehr beschäftigen würde.

Fazit

Die Tour war sehr gelungen und ich hatte das Gefühl, das Leben im Township zu sehen und zu erleben. Wir wurden freundlich empfangen und haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Wie es gewesen wäre, wenn wir ohne unseren Guide dort rumgelaufen wären? Das kann ich nicht sagen.

Viele verschiedenste Gefühle wurden durch die Tour in mir hervorgerufen, gute, schlechte aber auch welche, die ich nicht einschätzen konnte.

Ich habe Südafrika von einer anderen und wichtigen Seite kennen gelernt.

Uns wurden bewusst nicht, die schlimmsten Ecken und hungernden Kinder gezeigt, was ich gut fand. Man wollte uns das Leben zeigen, wie es sich abspielt. Schlechte Viertel gehören natürlich auch dazu, dass muss man aber nicht auch noch begaffen.

Ich hatte das Gefühl, mich das erste Mal in die Lage farbiger Menschen zu versetzen zu können. Das Gefühl aufgrund seiner Hautfarbe anders zu sein ist furchtbar. Ich hatte mir darüber noch nie Gedanken gemacht, da für mich sowieso alle Menschen gleich sind, egal welche Hautfarbe, Religion und Herkunft sie haben. Traurig genug, das dies in unserer Gesellschaft immer noch häufiger als gedacht, nicht selbstverständlich ist.

Wir sahen einige kleine Mädchen, die miteinander spielten. Ein Mädchen hatte aufgrund eines Gendefektes eine weiße Haut. Wie musste sich dieses Mädchen wohl jeden Tag fühlen? Vielleicht genauso, wie ich mich in den knapp drei Stunden?

Es war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Wir haben viel über das Leben und die Menschen gelernt und auch über uns und den Umgang mit unseren Mitmenschen.