Townshiptour – Ja oder nein? Was spricht dafür und was dagegen

Wenn du durch Südafrika fährst findest du sie immer wieder links und rechts an der Straße, sogenannte Townships. Doch wer lebt dort und wie leben die Menschen? Sollte man überhaupt eine Townshiptour machen? Finde es heraus.

Was ist ein Township und wer lebt dort?

Townships sind eingerichtete Wohnsiedlungen für die Farbige Bevölkerung. Entstanden sind diese in Südafrika während der Rassentrennungspolitik. Sie sind so groß wie ganze Städte. 

Ich hatte den Eindruck bei meiner Reise durch Südafrika, das auch heute noch die Rassentrennung deutlich zu spüren ist, was mich deutlich schockierte. 

Townshiptour – Ja oder nein?

Es gibt einige Anbieter, die Townshiptouren anbieten. Ich war von Anfang an sehr skeptisch. Eigentlich sträubte ich mich dagegen. Ich finde es unmöglich Massen von weißen Touristen durch Siedlungen zu scheuchen und den Menschen so ein mieses Gefühl zu geben, nämlich anders zu sein.

Was spricht gegen eine Townshiptour?

Mir fallen wirklich viele Gründe ein, die gegen eine Townshiptour sprechen, ja sogar mehr dagegen als dafür. Ich nenne es zunächst einmal, Menschen begaffen. Wie müssen sich die Menschen in einem Township wohl fühlen, wenn täglich viel weiße Menschen durch ihre Heimat laufen und sie angaffen? Das vermittelt ein wirklich mieses Gefühl der Ungleichheit. Zudem sind diese Menschen keine Tiere im Zoo, sondern Teil unserer Gesellschaft.

Dazu kommt noch, dass wir oft dazu neigen, unseren Reichtum zur Schau zu stellen, was noch ein mieseres Gefühl hervorruft, wenn die weißen, die nicht nur gaffen, sondern auch noch teuren Schmuck tragen und die dicke Kamera um den Hals hängen haben.

Vielen Touristen ist nicht annähernd bewusst, was sie in einem Township erwartet. Das hat zu Folge, dass sie so schockiert und entsetzt sind, dass sie das gesehene nicht verarbeiten können. Es kann passieren, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen und so ein ganz falscher Eindruck entsteht. Das kann aber auch einfach was damit zu tun haben, dass sie noch keine anderen Kulturen kennen gelernt haben. Das muss aber nicht unbedingt so sein.

Arm aber glücklich, so hört man es auch immer wieder von Leuten, die einen Township besucht haben. Ist das wirklich so? Man bekommt nur einen kurzen Einblick in einen Lebensraum. Nein, solche Behauptungen dürfen wir nicht aufstellen, denn wir wissen es nicht. 

Armut bedeutet nicht automatisch, dass jemand unglücklich oder glücklich ist, dasselbe gilt für Wohlhabende. Pauschalisieren ist absolut falsch. Sicherlich gibt es Bewohner des Townships, die glücklich oder unglücklich sind. Das wiederum zeigt aber auch, dass diese Menschen genauso Menschen wie wir auch sind. Auch Menschen, die nicht in einem Township wohnen, gibt es glückliche und unglückliche Menschen.

Mit einer Townshiptour Gutes tun

Ich gebe zu, auch ich kann mich von dem Gedanken nicht freisprechen zu denken, dass ich mit der gebuchten Tour etwas Gutes tue. Doch kommt das Geld wirklich dem Township zu Gute? Wenn ja, wem kommt es zu Gute, der Gemeinschaft oder den üblichen Verdächtigen? Ganz genau weiß man es nie.

Was spricht für eine Townshiptour?

Ich bin Sozialpädagogin und sehr interessiert an anderen Kulturen und Lebensweisen. Es kommt auf die Tour an. Ich möchte mit den Menschen in Kontakt kommen, mit ihnen reden und möglichst viel von dem wahren Leben im Township sehen. Dazu gehören die schönen aber auch die Schattenseiten. Ich möchte mir ein Gehör verschaffen, für die Anliegen der Menschen, Eindrücke sammeln und über die Erfahrungen, die ich dort machte, sprechen. Es kann eine Chance sein, Vorurteile abzubauen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Vielleicht mag es für den ein oder anderen klingen, als würde ich mir eher eine Erlaubnis erteilen so eine Tour zu machen, weil ich Sozialpädagogin bin. Das soll auf gar keinen Fall so rüberkommen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er so eine Tour machen möchte oder nicht und wenn ja, aus welcher Motivation heraus?

JumaArtTours

Guten Gewissens, kann ich die Touren von Juma Art Tours empfehlen. Jemand, der aus dem Township Khayelitsha kommt und mit individuellen Kleingruppen, mitten durch den Township läuft und dir seine Community zeigt. Er bietet darüber hinaus viele tolle Projekte an und auch Touren durch das Viertel Woodstock in Kapstadt. Klickt euch doch mal durch die Website.

Schlusswort

Ich finde es wirklich schwierig eine eindeutige Entscheidung zu treffen. Viele Gründe sprechen gegen eine Tour und eigentlich nur unsere natürliche Neugier dafür. Vielleicht sollten wir aber auch nicht alle Touren von vornherein verteufeln und verurteilen, sondern in einer gut ausgewählten, auch eine Chance sehen für beide Seiten Vorurteile abzubauen.

Meinen Bericht über meine Erlebnisse im Township Khayelitsha kannst du schon in ein paar Tagen lesen.